Ivermectin, Remdesivir und Kortikosteroide gegen COVID-19: Aktuelle Cochrane-Evidenz

Während die Gabe von Kortikosteroiden möglicherweise eine effektive Behandlung für Menschen darstellt, die mit COVID-19 im Krankenhaus liegen, findet sich bei Ivermectin keine Evidenz für eine Wirksamkeit gegen diese Erkrankung. Auch Remdesivir zeigt keine eindeutige Wirkung auf die Sterblichkeit oder den Krankheitsverlauf von hospitalisierten COVID-19-Patient*innen.

Drei neue Cochrane Reviews haben untersucht, ob eine Behandlung mit Ivermectin, Remdesivir oder Kortikosteroiden in Zusammenhang mit einer COVID-19-Erkrankung vorteilhaft ist. Kurz zum Wirkmechanismus der Arzneimittel: Ivermectin ist ein Medikament, das gegen Parasiten bei Menschen und Tieren eingesetzt wird. Remdesivir wiederum wirkt antiviral und wurde ursprünglich gegen das Ebola-Virus entwickelt. Kortikosteroide sind Cortison-ähnliche Medikamente. Sie wirken entzündungshemmend, kommen bei Rötungen und Schwellungen zum Einsatz und setzen die natürliche Immunreaktion des Körpers herab.

Die Review-Ergebnisse zu Kortikosteroiden

Oral oder durch eine Injektion verabreichte, systemische Kortikosteroide sind möglicherweise effektiv zur Behandlung von hospitalisierten COVID-19-Patient*innen. Elf Studien mit insgesamt 8075 Teilnehmenden konnten für den Review ausgewertet werden. Etwa 3000 Patient*innen wurden mit Kortikosteroiden behandelt, hauptsächlich mit Dexamethason, die anderen erhielten ein Scheinmedikament (Placebo). Durch Kortikosteroide konnte das Risiko zu versterben leicht reduziert werden. Die Review-Autor*innen wissen jedoch nicht, ob dabei unerwünschte Effekte auftreten oder welches das wirksamste Kortikosteroid ist. Zusätzlich fanden die Autor*innen 42 laufende Studien sowie 16 abgeschlossene Studien, deren Ergebnisse noch nicht veröffentlicht wurden. Sobald hier neue Ergebnisse vorliegen, wird der Review aktualisiert.

Der Review „Systemic corticosteroids for the treatment of COVID‐19”

Die Review-Ergebnisse zu Ivermectin

Verglichen mit Placebo oder einer Standardbehandlung zeigte Ivermectin weder bezüglich des Sterberisikos noch des klinischen Zustands von COVID-19-Patient*innen einen Vorteil. Zu einer vorbeugenden Wirkung von Ivermectin nach einem möglichen Kontakt mit dem Virus lassen sich keine Aussagen machen. Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz aus den klinischen Studien, die für den Review herangezogen wurden, schätzen die Autor*innen als niedrig bis sehr niedrig ein. 14 Studien mit insgesamt 1678 Teilnehmenden konnten in den Cochrane Review bisher eingeschlossen werden. Sobald weitere Ergebnisse vorliegen, wird der Review aktualisiert.

Zum Review „Ivermectin for preventing and treating COVID‐19“

Zum Beitrag mit weiteren Hintergrundinformationen auf unserem Blog Wissen Was Wirkt

Medizin Transparent widmete sich in der Faktencheck-Serie Mythen und Fakten zum Coronavirus ebenfalls bereits dem Einsatz von Ivermectin gegen COVID-19.

Die Review-Ergebnisse zu Remdesivir

Bei Erwachsenen, die mit COVID-19 ins Krankenhaus eingeliefert wurden, hat Remdesivir im Vergleich zu Placebo oder einer Standardbehandlung wahrscheinlich nur geringe oder keine Auswirkungen auf die Zahl der Todesfälle innerhalb von 28 Tagen nach der Behandlung. Die Autor*innen des Reviews sind sich auf der Basis der derzeitigen Evidenz unsicher, ob Remdesivir den Zustand der Patient*innen verbessert oder verschlechtert, wenn es um das Ausmaß der Unterstützung bei der Atmung geht. Fünf randomisiert kontrollierte Studien (RCTs) mit 7452 Patient*innen mit COVID-19 konnten ausgewertet werden. Die Erstautorin Kelly Ansems fasst zusammen „Auf Grundlage der derzeitig verfügbaren Evidenz aus randomisierten kontrollierten Studien kommen wir zu dem Schluss, dass eine Behandlung mit Remdesivir wahrscheinlich nur geringe oder gar keine Auswirkungen auf die Sterblichkeit bei erwachsenen hospitalisierten Patienten mit COVID-19 hat. Aufgrund der Unvollständigkeit der derzeit verfügbaren Studiendaten können wir jedoch nicht abschließend beurteilen, ob es mögliche Wirksamkeitsunterschiede in Abhängigkeit vom Schweregrad der Erkrankung gibt.“

 Zum Review "Remdesivir for the treatment of COVID-19"

 18.08.2021, Barbara Nußbaumer-Streit und Edeltraud Günthör